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Das Wetter für Sölden

Hochtour in den Berchtesgadener Alpen

Watzmann-Überschreitung im Schnee – erst dann ist´s richtig schee

 

Kurzentschlossen ging es am Samstag, den 22.10. früh um 10 Uhr los in Richtung Berchtesgaden. Unser Ziel war die Überschreitung der drei Haupt-Gipfel des Watzmanns in den Berchtesgadener Alpen. Weshalb aber fährt man Ende Oktober fast 400 km zu einem  Klettersteig der Kategorie A und B, wenn man doch im Sommer schon anspruchsvollere Sachen geklettert bzw. begangen hat.

Die Antwort darauf ist ganz einfach. Es war bestes Bergwetter vorausgesagt, das Wochenende passte optimal in meinen Terminkalender und der Watzmanngrat war bereits mit reichlich viel Schnee bedeckt. Also folgte ich dem Ruf von Marco Bauer um mit ihm diese ungewöhnliche Hochtour zu begehen.

Eines mal vorne weg. „Normale“ Klettersteiggeher sollten bei Schneelage dringendst die Finger von dieser Tour lassen; außer, man hat die entsprechende alpine Ausrüstung dabei und hängt an einer geeigneten Lokomotive in Form eines erfahrenen Hochtourenführers.

Nach einer stresslosen Anreise machten wir uns gegen 16:00 Uhr vom Parkplatz an der Wimbachbrücke (634 m) auf den Weg zum Watzmannhaus (1915 m), wo wir im Winterraum die Nacht verbringen wollten. Laut Internet ist dieser mit einem kleinen Ofen, mit Trinkwasser sowie mit Wolldecken ausgestattet, so dass wir u.a. auf die Mitnahme von Schlafsäcken verzichteten. Nach einer guten Stunde Aufstiegszeit, erreichten wir die Schneegrenze auf Höhe der Kührointalm. Bis dahin ernteten wir schon viele fragende Blicke von absteigenden Wanderern. „Wo wollen wohl die Verrückten um diese Zeit hin?“ Aber das war uns natürlich egal. Nach einer weiteren Stunde kurz unterhalb unseres Tageszieles lag der Geruch von Kaminfeuer in der Luft. Eines war sofort klar. Wir werden nicht die Einzigen im Winterraum sein.

Einige Minuten später hatten wir die Gewissheit. Der Winterraum war ziemlich voll, aber wir fanden im Vorraum neben dem Holzofen noch Platz zum Schlafen. Eine kurze Nacht auf dem Fußboden bzw. auf der Bierbank geht schon! Zusammen mit 4 Polen, 3 Tschechen, einer Kärntnerin und einer Allgäuerin erlebten wir einen gemütlichen, internationalen Hüttenabend. Auch das Trinkwasser war vorhanden, allerdings in Form von Franziskaner Weißbier!

Am nächsten Morgen um 06:00 Uhr bei völliger Dunkelheit und -6°C waren wir die Ersten, die sich auf den Weg zum Hocheck (2651 m), dem ersten der drei Gipfel, machten. Marco übernahm die Spurarbeit in dem tiefen, teils kniehohen Schnee, gefolgt von mir und dem Polen Tomek, der weder Deutsch noch Englisch sprechen konnte. Sicherlich hat er am Abend über seine Kollegen mitbekommen, dass wir die Überschreitung machen wollten. Mit seinen Freunden wäre das sicherlich nicht möglich gewesen, aber anscheinend hatte er in uns Vertrauen. Im Schein unserer Stirnlampen erreichten wir gegen 08:00 Uhr den Hocheckgipfel und durften dort einen wunderschönen Sonnenaufgang erleben. In der Biwak Hütte am Hocheck legten wir eine Pause von gut 20 Minuten ein. Die 700 Höhenmeter haben mich körperlich ganz schön gefordert. Sicherlich lag es auch an der für mich ungewohnten Bewegungsform durch den tiefen Schnee. Jedenfalls erholte ich mich schnell wieder, so dass wir ohne Probleme den zweiten Gipfel in Angriff nehmen konnten. Der Weg zur Mittelspitze (2713 m) – dem höchsten Punkt der Tour- verläuft direkt entlang des Grates und ist teilweise mit Stahlseilen versichert. Auf Grund der Schneelage mussten wir hier die Steigeisen anlegen und Marcos Hochtourenerfahrung war von nun an gefragt.  Ohne ihn hätte ich mich in diesen Abschnitt nicht mehr hinein gewagt. Voll konzentriert führte er uns an, legte Haltegriffe am Fels frei und bereitete Tritt- und Standpunkte im tiefen Schnee vor. Bestens gelaunt standen wir so gegen 10.00 Uhr auf der Mittelspitze. Immer noch dabei unser polnischer Freund Tomek. Das Wetter war perfekt und wir wurden mit einem wunderbaren Weitblick über die schneebedeckten Alpen belohnt. Körperlich waren wir alle drei top fit, so dass wir hier nur eine kleine Pause einlegten.

Der Weg zur Südspitze war aus klettertechnischer Sicht sicherlich der anspruchsvollste und interessanteste Teil der Tour. Es ging Rauf und Runter, im Zick Zack über Grate und durch Rinnen. Die Ausgesetztheit nahm zu, aber dafür hatten wir einen wundervollen Blick auf die berühmte Watzmann Ostwand sowie auf den Königssee. Der aufkommende Wind blies uns stellenweise den pulvrigen Schnee ins Gesicht und war zu diesem Zeitpunkt eine willkommene Abkühlung. Vor uns lag nämlich der letzte Anstieg durch eine sehr steile Rinne auf den Gipfel der Südspitze. Dieses letzte Stück wird mir sicherlich noch sehr lange in Erinnerung bleiben. Bis zur Hüfte im Schnee kämpften wir uns auf Allen Vieren hoch zum Gipfel. Der bisher stumme Pole Tomek schrie einen Freudenschrei heraus als er das Gipfelkreuz berührte und war sichtlich gerührt. Just in diesem Moment wurde mir klar, was dieser Erfolg wohl für ihn bedeuten würde. Ewig lange Anfahrt, kaum Geld, viel Schnee mit wenig Aussicht, die Tour überhaupt gehen zu können und dann doch das Ziel erreicht. Natürlich freuten wir beide uns auch und läuteten exakt um 13:00 Uhr voller Stolz die Glocke am Gipfelkreuz der Südspitze (2713 m).

Vor uns lag jetzt noch der sehr lange und äußerst anspruchsvolle Abstieg ins Wimbachgries. Die Wegfindung war teilweise durch den tiefen Schnee nicht immer leicht und im oberen Teil galt es, einige heikle Stellen abzuklettern. Trotz Steigeisen und Pickel mussten wir an einer Stelle abseilen. Hier hat sich die Mitnahme einer alpinen Grundausrüstung ausbezahlt. Im flacheren Gehgelände legten wir dann die Kletterausrüstung ab und gönnten uns eine längere Pause. Der weitere Abstieg durch das scheinbar endlose Geröllfeld ging enorm auf die Oberschenkel und forderte von uns weiterhin vollste Konzentration, bis wir schließlich um 16:30 Uhr die Wimbachgrieshütte erreichten. Laut Wegweiser lag noch ein Fußmarsch über 8 km und 3 ¼ Stunden Gehzeit zum Auto vor uns. Im Eiltempo durchliefen wir das Wimbachgries und erreichten nach knapp 2 Stunden um 18:20 Uhr wieder unser Auto. Nach dem anschließenden warmen Abendessen begaben wir uns zufrieden wieder auf die Heimreise.

Zusammenfassend lässt sich festhalten:
Eine lohnende Tour, die durch die winterlichen Verhältnisse und das super Wetter zu einem einmaligen Erlebnis wurde. Die Länge der Strecke und der heikle Abstieg dürfen auch im Sommer nicht unterschätzt werden. Eine gute Kondition, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit verstehen sich im alpinen Hochgelände von selbst.

Armin Landstorfer

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