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Das Wetter für Sölden

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  • bb08

In der Biwakschachtel war es aufgrund der vielen Leute, die sich in ihr aufhielten, angenehm warm. Ich trank meinen ganzen Tourentee, weil ich der Meinung war, den brauch ich ja jetzt nicht mehr. Nach einer dreiviertel Stunde brachen wir zeitgleich mit einer anderen Gruppe auf. Die anderen zum Gipfel, wir in entgegengesetzter Richtung. In der Fünfergruppe befand sich auch eine ca. siebzigjährige Frau! „Verdammt, wenn die das schafft, dann will ich´s auch noch mal versuchen“, rief ich Marco zu. „So gefällst du mir schon besser“, war Marcos Antwort mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Nach Lachen war mir zwar immer noch nicht zumute, war aber doch wieder einigermaßen erholt. Schön langsam, einen Fuß vor den anderen setzend, stapften wir scheinbar endlos dahin. Sehen konnte man im immer dichter werdenden Nebel fast überhaupt nichts mehr, nur die Spur durch den Schnee wies uns den Weg. Ich konnte in dieser Ödnis keinen Gedanken mehr fassen, ging nur immer weiter und weiter und weiter… Bis plötzlich vor uns ein Jubelschrei im Nebel zu hören war! Ich erwachte wie aus einem Traum. Wir waren am Gipfel!

  • bb09
Wir hatten es geschafft! Ja, ich weiß schon, das Bild hätte irgendwo auf der Welt gemacht werden können, im Nachhinein ärgerte es uns auch, dass wir keine Aussicht wie auf der Dufourspitze hatten, aber in den zehn Minuten, die wir auf dem Gipfel waren, interessierte uns das ziemlich wenig. Die Euphorie war gewaltig. Die wahrscheinlich ersten Schönkircher auf dem Mont Blanc, dem höchsten Punkt der Alpen! Der Traum eines jeden Hochtourengehers ging in Erfüllung. Technisch nicht anspruchsvoll, aber eine elende Schinderei, so lautet unser Fazit über den Mont Blanc. 1830 Meter Aufstieg, beginnend auf einer Höhe von 3200 Metern. Wir waren schon ziemlich fertig, als wir um 13.30 Uhr wieder auf der Gouter Hütte ankamen, und beim zweiten Bier um ca. 15.00 Uhr schliefen wir auf den Stühlen im Gastraum der Hütte immer wieder ein.
  • bb10
Jetzt hatten wir eigentlich alles geschafft, dachten wir, morgen schnell absteigen und dann mal schauen, was wir in unserer zweiten Urlaubswochen noch machen könnten. Es war ja noch einmal das Couloir im Abstieg zu bewältigen. Nach einer erbärmlichen Nacht in der verwahrlosten, dreckigen Gouter-Hütte (wir wissen jetzt auch, warum am Mont Blanc so viele mit Zelt unterwegs sind!) kamen wir um 08.30 Uhr am Couloir an. „The couloir is very dangerous today“, wurden wir von aufsteigenden Bergsteigern mehrfach gewarnt. Als wir vor der Rinne standen, sahen wir, die hatten uns nicht angelogen. Im Minutentakt prasselten Steinlawinen durch den Trichter. Der Schnee, auf dem sich gestern noch der Steig befand, war fast komplett verschwunden. Mit zittrigen Knien legten wir die Steigeisen an und packten das Seil aus. Direkt vor unseren Augen rutschte ein Bergsteiger im Steileis aus und riss seinen Kameraden, mit dem er durch ein Fünfmeter Seilstück verbunden war, mit in die Tiefe. Ihr Bergführer, der fast schon durch das Couloir durch war und an einem Stahlseil die Seilschaft gesichert hatte, konnte zwar den Totalabsturz verhindern, aber 30 Meter ging´s für die beiden trotzdem abwärts. Damit nicht genug, nun hingen die drei nämlich in der Mitte des Couloirs, schutzlos dem Steinschlag ausgesetzt, der auch wie bestellt genau in diesem Augenblick wieder heftig einsetzte.Wie durch ein Wunder wurden die drei von keinem größeren Brocken getroffen und sie konnten relativ unbeschadet das Couloir verlassen. „Das ist doch der absolute Wahnsinn“, dachte ich mir, „Keine zehn Pferde bringen mich da hinein.“ Aber was blieb uns schon anderes übrig. Beim Aufstieg hätten wir umkehren können, beim Abstieg ist das schwieriger, man will ja nicht für immer oben bleiben. Nach einer halben Stunde Bedenkzeit nahm ich all meinen Mut zusammen, überrumpelte Marco in einem steinschlaglosen Moment fast ein wenig, wie er mir später erzählte, und rief ihm zu: „Einhängen und los!“ Nur auf ein Startsignal wartend spurtete er los und ich hinterher. Wie kaum anders zu erwarten, setzte auch bei uns der Steinhagel ein, als wir ungefähr in der Mitte des Couloirs waren. Schnell verkrochen wir uns, Marco hinter einem Felsen, ich hinter einem Schneebuckel und machten uns so klein wie nur irgend möglich. Ungefähr 90 Sekunden standen wir unter Dauerbeschuss, dann ebbte der Steinhagel wieder etwas ab und wir konnten die restlichen Meter hinter uns bringen. Das war jetzt einer der Momente, die man sich im Leben fischen kann und nie wieder vergessen wird, wie es Alexander Huber immer so schön ausdrückt. Man muss eben beim Bergsteigen einiges riskieren und sich zwangsläufig diversen Gefahren aussetzen, bekommt aber den Einsatz doppelt und dreifach zurück. Nicht der Gefahr aus dem Weg zu gehen, sondern lernen mit ihr umzugehen, lautet die Devise, die einem auch im normalen Leben nach vorne bringt. Ein Nichtbergsteiger wird das aber nie verstehen und uns weiterhin für verrückt halten.

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