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Das Wetter für Sölden

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Hochtouren 2010

Die höchsten Berge der Alpen – Mont-Blanc und Dufourspitze

Nachdem ich mit meinem Seilpartner Marco Bauer letztes Jahr schon sehr erfolgreich im Monte RosaMassiv unterwegs war und fünf Viertausender (Breithorn, Breithorn Mittelgipfel, Castor, VincentPyramide und Signalkuppe) besteigen beziehungsweise überschreiten konnte, war der Entschlussschnell gefasst: Dieses Jahr musste die Dufourspitze her! „Die Besteigung der Dufourspitze über denNormalweg ist erheblich anspruchsvoller als der Mont-Blanc-Normalweg, zumal die Hauptschwierigkeitenerst am luftigen Gipfelgrat liegen“, schreibt Richard Goedeke in seinem Führer„Normalrouten auf alle Viertausender der Alpen.“ „Hoffentlich haben wir uns da nicht übernommen“,ging es mir im Vorfeld mehrere Male durch den Kopf. 

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So wurden dieses Jahr die Vorbereitungen doch etwas ernster genommen und 270 km mit Rucksack durch die heimischen Wälder gewandert und hinterher nächtelang mit Hilfe von Internet und Führerliteratur die Touren akribisch recherchiert!

Am Freitag, 09. Juli ... ging´s dann endlich los. Zum Akklimatisieren fuhren wir zu unserem mittlerweile guten Freund Florian Fiegl, Hüttenwirt der Hochstubaihütte in den Stubaier Alpen. Von Sölden aus starteten wir den Aufstieg über Fiegls Gasthaus und Himmelsleiter auf die 3174 Meter hoch gelegene Hütte. Für die 1800 Meter Höhenunterschied benötigten wir fünf Stunden. Ausgesprochen hat es zu diesem Zeitpunkt zwar keiner, aber von dieser Zeit waren wir maßlos enttäuscht: Wofür das ganze Training, die Montblanc-Besteigung geht auf dieser Höhe erst los! All diese Gedanken ließen mich am Samstag bis ca. 04 Uhr in der Frühe kein Auge zutun oder lag es am Geburtstag von Flo´s Schwester, zu dem wir spontan mit eingeladen wurden und den wir in der Küche der Hochstubaihütte feuchtfröhlich feierten. Noch etwas müde und mitgenommen stiegen wir am Sonntag wieder ab nach Sölden.

Nach der Weiterfahrt in Richtung Herbriggen nahe Zermatt ging´s am Montag, 12. Juli mit Hilfe der Gornergratbahn zur neuen Monte RosaHütte.

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„Monte Rosa-Hotel“ würde wohl besser passen für dieses einzigartige Bauwerk das mehr Ähnlichkeit mit einer Raumstation als mit einer Hütte hat. Da sich die Hütte zu 90 Prozent selbst mit Energie versorgt und aufgrund ihrer Bauweise absolut sturmsicher ist, werden wir ihr Aussehen nicht weiter bemängeln. Das Essen, die Lager, die sanitären Einrichtungen und alles andere ist nämlich wirklich spitzenmäßig! Am Dienstag bescherte uns das Wetter noch einmal einen Tag Verschnaufpause. Als wir um 01.30 Uhr aufstanden, war gerade ein schweres Gewitter zwischen Signalkuppe und Liskamm. Auf der Terrasse der MonteRosa Hütte hagelte es.

Kein guter Tag für die Besteigung des höchsten Berges der Schweiz! Schnell waren wir wieder in unseren Betten. Nach einem gemütlichen Frühstück um 07.30 Uhr erkundeten wir das untere Drittel unserer Aufstiegsroute. Direkt über der Oberen Plattje kamen schon die ersten Schwierigkeiten auf uns zu. Am Beginn des Monte RosaGletscher auf 3200 Meter waren schon sehr viele Spalten offen und die Schneebrücken recht instabil. Trotzdem fanden wir einen guten Weg durch das Spaltengewirr. Da uns beiden klar war, dass dies bei Nacht und im Schein der Stirnlampen nicht so einfach werden würde, versuchten wir uns den Weg gut einzuprägen. Weil wir vor Mittag aus dem morschen Eisbruch wieder draußen sein wollten, kehrten wir auf 3580 Meter um und gingen zurück zur Monte Rosa-Hütte.


Mittwoch, 14. Juli, um 01.30 Uhrein sternenklarer Himmel! Nun gibt’s kein Zurück mehr, wenn nicht heute, dann nie! Um 02.30 Uhr, nach einem hastigen Frühstück und letzten Vorbereitungen, stehen wir marschbereit vor der Hütte. Um nicht den Eindruck zu erwecken, wir würden irgendwelchen Gruppen mit Bergführer hinterherlaufen, versuchen wir die Ersten zu sein, was uns leider nicht gelingt. Auf einem Felsbuckel zwischen Unterer und Oberer Plattje machen wir winzige Lichtpunkte weit oben am Monte RosaGletscher aus. Die müssen mindestens zwei Stunden Vorsprung haben. Auch kurz vor uns tauchen plötzlich Stirnlampen auf. Eine Gruppe mit fünf Leuten, die wir beim Anlegen der Steigeisen überholen, und direkt vor uns noch einmal zwei, die vor uns in den Eisbruch einsteigen – auf

einer ganz anderen Route, viel weiter rechts als jene, die wir am Vortag erkundet hatten. Da ja von Haus aus alle anderen viel mehr Ahnung von den Bergen haben als wir Flachländer, folgen wir ihnen, was sich schon bald als schwerwiegender Fehler herausstellte. Tags zuvor konnten wir noch die Spalten auf solidem Eis umgehen, nun gingen wir ständig über die auftauenden Schneebrücken. Auf schnellstem Weg versuchten wir nun aus dem Bruch heraus auf den sicher überfirnten Teil des Gletschers zu gelangen. Gefühlsmäßig konnte es nicht mehr weit sein, sehen kann man mit den Stirnlampen ja immer nur die nächsten zehn Meter. Plötzlich gibt der Boden unter meinem rechten Fuß nach und ich trete ein Loch in die Schneebrücke. Langsam versuche ich mein Gewicht auf den linken Fuß zu verlagern und vorsichtig zu belasten. Nützt nichts! Auch mit dem linken Fuß breche ich durch die Schneedecke, nun hänge ich nur noch mit dem Rucksack am Rand des immer größer werdenden Loches. Die Füsse baumeln in der Luft, finden keinen Halt mehr und es geht langsam weiter abwärts. Zum Glück befinde ich mich nah am Rand der Spalte und kann die Pickelhaue in solides Eis setzen, welche auch beim ersten Schlag bombenfest hält. Nun ist es ein Leichtes mich aus der Spalte selbst wieder heraus zu hieven. Marco hat die Situation hinterher so beschrieben: „Ich merke einen kurzen Ruck im Seil, drehe mich um, sehe aber erst mal niemanden. Schon eine Sekunde später taucht ein Pickel aus einem Loch auf, daran ist ein Arm, kurze Zeit später kommt ein Helm samt Stirnlampe zum Vorschein, dann ein Kopf, schließlich ein Fuß. Wieder zwei Sekunden später liegt der ganze Kerl keuchend neben der Spalte." „Das war knapp, beinahe wäre ich komplett in die Spalte eingebrochen!", rufe ich Marco zu. „Kein Problem", antwortet er mir, „Ich hätte dich schon gehalten.“ Auch er hatte nämlich in Windeseile seinen Pickel ins Eis gedroschen und tatkräftig am Seil gezogen. „Bei so einem sicheren Krisenmanagement kann eigentlich gar nichts mehr schief gehen“, sagen wir uns grinsend kurze Zeit später und machen uns weiter auf den Weg. Noch immer in völliger Dunkelheit kommt nun auf dem weitläufigen Gletscher auch der Kompass öfter zum Einsatz. 90 Grad Ost, die Richtung müsste passen. Als es um 05.30 Uhr endlich langsam hell wird, sind wir schon auf einer Höhe von knapp 4000 Metern. Wir liegen spitzenmäßig in der Zeit und die Richtung stimmt auch. Die meisten anderen Gipfelaspiranten haben wir mittlerweile überholt, nur eine Zweierseilschaft und ein Einzelgänger sind noch vor uns. Die akribische Vorarbeit zahlt sich doch aus. Wenn wir uns umdrehen, sehen wir das Matterhorn im ersten Morgenlicht. Beflügelt von diesen gigantischen Eindrücken machen wir die nächsten 500 Höhenmeter in weniger als einer Stunde bis uns eine knapp 45 Grad steile Firnflanke wieder etwas einbremst. Hochkonzentriert gehen wir die Flanke an. Hier ist sicherer Umgang mit Steigeisen und Eispickel gefordert, da man ja auf Firn nicht mit Eisschrauben sichern kann.

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Als auch dieses Hindernis überwunden ist, kommen wir an dem luftigen Gipfelgrat an, in dem laut Goedeke die Hauptschwierigkeiten der Dufourspitze liegen. Ständig wechselnder Untergrund (Fels, Eis, Schnee) und Kletterstellen bis zum dritten Schwierigkeitsgrat fordern fast alle Facetten des Bergsports. Klettern in einer Höhe von 4600 Metern, noch dazu mit Steigeisen an den Füssen, fordern Körper und Geist gewaltig. Jeder Griff, jeder Tritt muss genau überlegt und geprüft werden, denn rechts und vor allem links des Grates geht es mehrere tausend Meter in die Tiefe. An einem so ausgesetzten Ort war ich noch nie zuvor in meinem Leben. Die Kletterei schlägt deutlich aufs Zeitkonto und so wird es doch noch 08.30 Uhr, bis wir auf dem höchsten Punkt der Schweiz stehen.
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Genau sechs Stunden benötigten wir somit von der Hütte zum Gipfel, exakt die Zeit die im Führer angegeben ist. Nun wurden wir erst einmal reichlich für die Mühen mit einem gigantischen Ausblick belohnt wie aus einem Flugzeug. „Ein Gipfel, den man sich ehrlich errackern muss und dessen Besteigung deshalb besonders tiefe Befriedigung verschafft. Dazu kommt ein fantastischer Rundblick - wenn man ihn hat", schreibt Hr. Goedeke in seinem Führer. Dies können wir nur bestätigen und den Rundblick bei strahlend blauem Himmel hatten wir auch. Auf alle Viertausender im Monte Rosa können wir herabblicken: Nordend, Zumsteinspitze, Signalkuppe, Liskamm, auch das etwas weiter westlich liegende Matterhorn sehen wir von oben. Nur direkt am Horizont ragt ein Schneebuckel noch weiter in den Himmel hinauf: der Mont Blanc!

 


Spätestens jetzt war klar, das muss unser nächstes Ziel werden. Da ja an der Dufourspitze alles wie am Schnürchen geklappt hatte auch der Abstieg war binnen vier Stunden erledigt konnte diesem Projekt eigentlich nichts mehr im Wege stehen. Von 17 Bergsteigern, die sich an diesem Tag an der Dufourspitze versucht hatten, standen sieben auf dem Gipfel, somit ist der Berg bei weitem nicht so überlaufen wie in den Führern oft dargestellt.

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Unser Fazit: Eine absolut lohnende Tour, die den ganzen Bergsteiger fordert. Am Tag darauf stiegen wir gemütlich zur Station Rotenboden mit der Gornergrat Zahnradbahn ab und ließen uns nach Zermatt chauffieren, wo wir den Nachmittag verbrachten und gleich die Hütten am Mont Blanc buchten. Genau 24 Stunden später am Freitag, 16. Juli saßen wir schon auf der Terrasse der Tete RousseHütte bei einem Dosenbier für sieben Euro! Die Fahrt nach Les Houches nahe ChamonixSeilbahn , Zahnradbahn und der Aufstieg zur Hütte waren kein Problem und schnell erledigt. Aber kaum auf der Hütte angekommen bekamen wir schonungslos die Schrecken des großen Couloirs zu spüren. „Da ist jemand abgestürzt“, hörten wir in zig verschiedenen Sprachen. Keine fünf Minuten später war ein Hubschrauber da und kreiste dreimal um das Couloir, bevor er wieder verschwand. Fehlalarm! Nur ein Rucksack, ohne Bergsteiger dran, war durchs Couloir gerumpelt. Todescouloir wird es oft genannt, weil es extrem steinschlag-

gefährdet ist und immer wieder schwere Unfälle passieren. Das große Couloir, Bild rechts im unterem Drittel des trichterförmigen Couloirs verläuft der Weg. Da wir vorhatten, das Couloir vor Sonnenaufgang zu durchqueren und sich nachts der Steinschlag meistens in Grenzen hält, machten wir uns nicht allzu viele Sorgen.

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Mehr Kopfzerbrechen bereitete uns der Wetterbericht: „heavy thounderstorms in the morning", hieß es da. „Bis der Morgen kommt, sind wir auf jeden Fall schon auf der Gouter Hütte", beratschlagten wir am Abend.

Gipfelerlebnis Mont Blanc

Am Samstag, 17. Juli, morgens um 02.15 Uhr, standen wir marschbereit vor der Tete Rousse-Hütte, auch alle anderen machten sich auf den Weg. Also nichts wie los! Um zehn vor drei standen wir vor dem großen Couloir, montierten die Steigeisen und seilten uns an. Nicht ein Steinchen viel in dieser Zeit durch den Trichter. Fünf Minuten später war alles vorbei, das Couloir lag hinter uns und war schnell vergessen. Viel mehr Probleme bereitete uns die Wegfindung in völliger Dunkelheit. Vier- bis fünfmal hatten wir uns schon verrannt, bis wir irgendwann entnervt sagten: Pfeiff auf den Weg, Hauptsache nach oben! Wie durch ein Wunder kamen wir nach einigen heiklen Klettermanövern doch wieder auf dem stahlseilgesicherten Weg heraus. Um fünf Uhr kamen wir auf der Gouter Hütte an und warteten im Vorraum auf die Gewitterstürme. Sie kamen nicht, dafür aber immer mehr Leute, die schnurstracks an der Hütte vorbei Richtung Gipfel zogen. Etwas ratlos warteten wir, bis es um 06.00 Uhr hell wurde. Das Wetter war bei weitem nicht so schlecht wie erwartet und die Bergsteigerkarawanen Richtung Gipfel rissen nicht ab. „Also nichts wie los“, sagten wir uns. Die verlorene Stunde spukte uns in den Köpfen herum und, ohne ein Wort darüber zu verlieren, legten wir ein mörderisches Tempo vor. Es kam wie es kommen musste: Kurz vor der VallotHütte, einer Biwakschachtel auf 4362 Meter, brach ich konditionell total ein. Teilweise auf allen Vieren quälte ich mich die Hänge hinauf, bis ich schließlich aufgab: „Ich kann nicht mehr, wir müssen aufgeben“, gestand ich Marco, der schon ein paar Mal geduldig auf mich gewartet hatte. „Es sind nur noch ein paar Meter bis zum Vallot-Biwak", antwortete er, „Dort machen wir Pause, dann kehren wir um.“ Das erschien mir eine vernünftige Idee zu sein, obwohl ich sonst nicht mehr viel um mich herum wahrgenommen habe.


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In der Biwakschachtel war es aufgrund der vielen Leute, die sich in ihr aufhielten, angenehm warm. Ich trank meinen ganzen Tourentee, weil ich der Meinung war, den brauch ich ja jetzt nicht mehr. Nach einer dreiviertel Stunde brachen wir zeitgleich mit einer anderen Gruppe auf. Die anderen zum Gipfel, wir in entgegengesetzter Richtung. In der Fünfergruppe befand sich auch eine ca. siebzigjährige Frau! „Verdammt, wenn die das schafft, dann will ich´s auch noch mal versuchen“, rief ich Marco zu. „So gefällst du mir schon besser“, war Marcos Antwort mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Nach Lachen war mir zwar immer noch nicht zumute, war aber doch wieder einigermaßen erholt. Schön langsam, einen Fuß vor den anderen setzend, stapften wir scheinbar endlos dahin. Sehen konnte man im immer dichter werdenden Nebel fast überhaupt nichts mehr, nur die Spur durch den Schnee wies uns den Weg. Ich konnte in dieser Ödnis keinen Gedanken mehr fassen, ging nur immer weiter und weiter und weiter… Bis plötzlich vor uns ein Jubelschrei im Nebel zu hören war! Ich erwachte wie aus einem Traum. Wir waren am Gipfel!

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Wir hatten es geschafft! Ja, ich weiß schon, das Bild hätte irgendwo auf der Welt gemacht werden können, im Nachhinein ärgerte es uns auch, dass wir keine Aussicht wie auf der Dufourspitze hatten, aber in den zehn Minuten, die wir auf dem Gipfel waren, interessierte uns das ziemlich wenig. Die Euphorie war gewaltig. Die wahrscheinlich ersten Schönkircher auf dem Mont Blanc, dem höchsten Punkt der Alpen! Der Traum eines jeden Hochtourengehers ging in Erfüllung. Technisch nicht anspruchsvoll, aber eine elende Schinderei, so lautet unser Fazit über den Mont Blanc. 1830 Meter Aufstieg, beginnend auf einer Höhe von 3200 Metern. Wir waren schon ziemlich fertig, als wir um 13.30 Uhr wieder auf der Gouter Hütte ankamen, und beim zweiten Bier um ca. 15.00 Uhr schliefen wir auf den Stühlen im Gastraum der Hütte immer wieder ein.
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Jetzt hatten wir eigentlich alles geschafft, dachten wir, morgen schnell absteigen und dann mal schauen, was wir in unserer zweiten Urlaubswochen noch machen könnten. Es war ja noch einmal das Couloir im Abstieg zu bewältigen. Nach einer erbärmlichen Nacht in der verwahrlosten, dreckigen Gouter-Hütte (wir wissen jetzt auch, warum am Mont Blanc so viele mit Zelt unterwegs sind!) kamen wir um 08.30 Uhr am Couloir an. „The couloir is very dangerous today“, wurden wir von aufsteigenden Bergsteigern mehrfach gewarnt. Als wir vor der Rinne standen, sahen wir, die hatten uns nicht angelogen. Im Minutentakt prasselten Steinlawinen durch den Trichter. Der Schnee, auf dem sich gestern noch der Steig befand, war fast komplett verschwunden. Mit zittrigen Knien legten wir die Steigeisen an und packten das Seil aus. Direkt vor unseren Augen rutschte ein Bergsteiger im Steileis aus und riss seinen Kameraden, mit dem er durch ein Fünfmeter Seilstück verbunden war, mit in die Tiefe. Ihr Bergführer, der fast schon durch das Couloir durch war und an einem Stahlseil die Seilschaft gesichert hatte, konnte zwar den Totalabsturz verhindern, aber 30 Meter ging´s für die beiden trotzdem abwärts. Damit nicht genug, nun hingen die drei nämlich in der Mitte des Couloirs, schutzlos dem Steinschlag ausgesetzt, der auch wie bestellt genau in diesem Augenblick wieder heftig einsetzte.Wie durch ein Wunder wurden die drei von keinem größeren Brocken getroffen und sie konnten relativ unbeschadet das Couloir verlassen. „Das ist doch der absolute Wahnsinn“, dachte ich mir, „Keine zehn Pferde bringen mich da hinein.“ Aber was blieb uns schon anderes übrig. Beim Aufstieg hätten wir umkehren können, beim Abstieg ist das schwieriger, man will ja nicht für immer oben bleiben. Nach einer halben Stunde Bedenkzeit nahm ich all meinen Mut zusammen, überrumpelte Marco in einem steinschlaglosen Moment fast ein wenig, wie er mir später erzählte, und rief ihm zu: „Einhängen und los!“ Nur auf ein Startsignal wartend spurtete er los und ich hinterher. Wie kaum anders zu erwarten, setzte auch bei uns der Steinhagel ein, als wir ungefähr in der Mitte des Couloirs waren. Schnell verkrochen wir uns, Marco hinter einem Felsen, ich hinter einem Schneebuckel und machten uns so klein wie nur irgend möglich. Ungefähr 90 Sekunden standen wir unter Dauerbeschuss, dann ebbte der Steinhagel wieder etwas ab und wir konnten die restlichen Meter hinter uns bringen. Das war jetzt einer der Momente, die man sich im Leben fischen kann und nie wieder vergessen wird, wie es Alexander Huber immer so schön ausdrückt. Man muss eben beim Bergsteigen einiges riskieren und sich zwangsläufig diversen Gefahren aussetzen, bekommt aber den Einsatz doppelt und dreifach zurück. Nicht der Gefahr aus dem Weg zu gehen, sondern lernen mit ihr umzugehen, lautet die Devise, die einem auch im normalen Leben nach vorne bringt. Ein Nichtbergsteiger wird das aber nie verstehen und uns weiterhin für verrückt halten.


Während des weiteren Abstiegs überlegten wir, wie wir nun unseren Urlaub ausklingen lassen sollten. Marco hatte schließlich die zündende Idee: „Wir fahren wieder zum Flo und lassen es uns ein paar Tage gut gehen.“ Ich war sofort Feuer und Flamme und Tags drauf waren wir gegen Mittag schon wieder in Sölden. Drei Stunden und zwanzig Minuten brauchten wir diesmal für den Anstieg! Jetzt waren wir wirklich fit. Sehr herzlich wurden wir von Marianne und Florian auf der Hochstubaihütte empfangen. Als Marianne erfuhr, wie schlecht es uns auf den Franzosenhütten ergangen war, bekamen wir gleich eine doppelte Portion besten Lammbraten zum Abendessen. Nun war die Welt wieder in Ordnung. Da es viel zu erzählen gab, wurde es wieder eine sehr lange Nacht und am Dienstag erst einmal ein kompletter Ruhetag eingelegt, an dem wir uns nur zu den Mahlzeiten aus den Betten bewegten. Während des weiteren Abstiegs überlegten wir, wie wir nun unseren Urlaub ausklingen lassen sollten. Marco hatte schließlich die zündende Idee: „Wir fahren wieder zum Flo und lassen es uns ein paar Tage gut gehen.“ Ich war sofort Feuer und Flamme und Tags drauf waren wir gegen Mittag schon wieder in Sölden. Drei Stunden und zwanzig Minuten brauchten wir diesmal für den Anstieg! Jetzt waren wir wirklich fit. Sehr herzlich wurden wir von Marianne und Florian auf der Hochstubaihütte war, bekamen wir gleich eine doppelte Portion besten Lammbraten zum Abendessen. Nun war die Welt wieder in Ordnung. Da es viel zu erzählen gab, wurde es wieder eine sehr lange Nacht und am Dienstag erst einmal ein kompletter Ruhetag eingelegt, an dem wir uns nur zu den Mahlzeiten aus den Betten bewegten.

Es musste nicht lange überlegt werden, wie wir unserem jetzt schon gelungenen Urlaub noch das Sahnehäubchen aufsetzen konnten: Das nicht weit entfernte Zuckerhütl. Als wir beratschlagten und die Tour fix machten, sagte Mario aus dem Team der Hochstubaihütte: „Mit euch würde ich da gerne mitgehen, aber ich bin ja zum Küchendienst verdonnert worden“ – „So ein Quatsch“, meldete sich Flo zu Wort, „Wenn du mit den Bayern mit willst, dann geh auf jeden Fall mit. Ich komm hier auf der Hütte schon mal einen Tag ohne dich aus.“ So war also alles gebongt und am Nachmittag des darauf folgenden Tages machten wir uns mit Unterstützung aus Tirol zu dritt auf den Weg zur Hildesheimer Hütte. Nach ein paar Stunden Nachtruhe brachen wir am Morgen des 22. Juli zu einer klassischen Hochtour in den Ostalpen auf. Der Weg führte uns über das Pfaffenjoch auf den Sulzenauferner, dann weiter zum Pfaffensattel, von wo aus es nicht mehr weit zum Gipfel war, an dem wir um 10.00 Uhr ankamen.

Da das Zuckerhütl eben ein echter Modeberg ist und jeder da hoch will ob Bergsteiger oder nicht , standen wir beim Abstieg ungefähr eine Stunde im Stau. So verfehlten wir unser gesetztes Ziel, mittags wieder auf der Hildesheimer Hütte zu sein, wo uns Gustl, der Hüttenwirt, schon sehnsüchtig erwartete. Nach einem verspäteten Mittagessen machten wir uns gleich wieder auf den Weg zurück zur Hochstubaihütte, die wir um ca. 17.00 Uhr erreichten.

Nun begann die schwere Zeit des Abschiednehmens. Vom Flo, von Marianne, dem Team der Hochstubaihütte und von den Bergen generell, denn am Freitag stand die Heimreise an. Der Abschied fiel aber nicht allzu schwer, da wir ja einiges erreicht hatten, auf das man gerne zurückblickt. Es kamen dann doch immerhin 11715 Höhenmeter zusammen, die wir in den zwei Wochen (nur im Aufstieg) bewältigten. Da tut es schon gut, einmal wieder Flachland unter den Beinen zu haben.

 

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Marco, Mario und Christian am Gipfl des Zuckerhütl (3505m)

 

Zu guter Letzt bleibt mir nur noch zu sagen:

„Die Hochtour ist wahrlich die Königsdisziplin im Bergsport.“

 

 

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